Die meisten Obstbäume haben ein Schnittfenster, was das Timing unkompliziert macht. Zu wissen, wann man Feigenbäume schneiden sollte, ist schwieriger — sie geben dir mehr Spielraum, aber genau diese Flexibilität sorgt für Verwirrung.
Die Ratschläge, die du online findest, reichen von „im Winter schneiden” über „im Sommer schneiden” bis „gar nicht schneiden.” Manches davon ist falsch. Das meiste ist unvollständig. Die richtige Antwort hängt von deinem Klima, deiner Sorte und davon ab, ob dir die Vorfeigen wichtig sind — ein Konzept, das es bei Äpfeln, Birnen oder anderen Obstbäumen in deinem Garten nicht gibt.
Feigen sind anders, weil sie sowohl an altem als auch an neuem Holz fruchten können. Diese eine Tatsache verändert alles daran, wie und wann du schneidest. Machst du es richtig, hast du einen produktiven Baum, der handhabbar bleibt. Machst du es falsch, verlierst du entweder eine Ernte oder endest mit einem 6-Meter-Monster, das nur oben fruchtet, wo du nicht herankommst.
Wichtiger Unterschied zu anderen Obstbäumen
Feigenbäume produzieren zwei potenzielle Ernten pro Jahr: die Vorfeigen (Breba-Ernte) am vorjährigen Holz (Frühsommer) und die Haupternte am neuen Wachstum (Spätsommer/Herbst). Wie du schneidest, bestimmt, welche Ernte du bekommst. In Deutschland zählt fast immer nur die Haupternte. In Weinbauklimaten wie dem Rheintal oder am Bodensee sind in guten Jahren beide möglich.
Warum Feigen anders sind als alles andere in deinem Garten
Jeder andere Obstbaum in der Schnittserie — Kirsche, Pflaume, Pfirsich — fruchtet an einer Art von Holz. Kirschen fruchten an Sporen oder einjährigem Holz. Pfirsiche fruchten am vorjährigen Wachstum. Äpfel fruchten an Sporen, die jahrelang tragen.
Feigen tun beides. Sie setzen eine frühe Ernte (die Vorfeigen) an den Spitzen der vorjährigen Äste an und eine spätere Haupternte am diesjährigen neuen Wachstum. Diese doppelte Fruchtbildung bedeutet, dass der Schnitt Kompromisse erfordert, die es bei anderen Obstbäumen nicht gibt.
Wenn du im Winter stark schneidest, entfernst du die Astspitzen, die die Vorfeigen tragen. Du bekommst eine kräftige Haupternte am wüchsigen neuen Wachstum, aber die frühen Feigen sind weg.
Wenn du kaum schneidest, behältst du das Vorfeigenholz, aber der Baum wird riesig. Feigen gehören zu den wüchsigsten Obstbäumen überhaupt. Eine ungeschnittene Feige in mildem Klima erreicht leicht 8-10 Meter und breitet sich ebenso weit aus. Die Früchte landen oben im Kronendach, wo die Vögel sie vor dir bekommen.
Der richtige Ansatz hängt davon ab, wo du lebst.
Vorfeigen vs. Haupternte — und warum das für den Schnitt wichtig ist
Die Vorfeigen bilden sich im Herbst als kleine embryonale Feigen an den Spitzen des diesjährigen Wachstums. Diese winzigen Feigen überwintern an den kahlen Ästen und schwellen im folgenden Frühling zur vollen Größe an, reifend im Früh- bis Hochsommer. Im Mittelmeerraum und in sehr milden Lagen sind die Vorfeigen zuverlässig und oft die bessere Ernte.
Die Haupternte bildet sich am neuen Holz, das im Frühling wächst. Diese Feigen entwickeln sich von Grund auf an den Trieben der laufenden Saison und reifen im Spätsommer bis Herbst. In Deutschland ist dies die einzige Ernte, die zählt, weil Vorfeigen den Winter selten überleben oder vor der Herbstkälte reifen.
Hier liegt die Schnittkonsequenz: Wenn du irgendwo lebst, wo es warm genug für die Vorfeigen ist — etwa im Mittelmeerraum — willst du die vorjährigen Astspitzen erhalten. Schneide leicht, entferne nur das Nötigste für Form und Luftzirkulation. In Deutschland, wo die Vorfeigen ohnehin fast nie reifen, schneide stärker. Du verlierst nichts, wenn du vorjähriges Holz entfernst, und das wüchsige neue Wachstum trägt eine kräftige Haupternte.
In den meisten deutschen Lagen lohnt es sich nicht, den Vorfeigen nachzujagen. Die Sommer sind zu kurz und zu kühl, damit die frühen Feigen zuverlässig reifen. Konzentriere dich auf die Haupternte und schneide entsprechend. Ausnahme: In besonders geschützten Lagen im Rheintal, am Bodensee oder in der Pfalz — vor allem an einer Südwand — können Vorfeigen in warmen Jahren durchaus reifen.

Das ideale Schnittfenster
Schneide Feigenbäume im Spätwinter oder zeitigen Frühling, solange der Baum noch in der Winterruhe ist, aber kurz bevor das Wachstum beginnt. Das ist dasselbe allgemeine Fenster wie bei Apfelbäumen und Birnbäumen, und aus ähnlichen Gründen: Der Baum ist kahl, sodass du die Struktur klar sehen kannst, Wunden heilen schnell, sobald das Frühlingswachstum beginnt, und du hast die volle Saison vor dir, damit sich neues Fruchtholz entwickeln kann.
Das genaue Timing hängt von deinem Standort ab.
Milde Weinbauregionen (Rheintal, Bodensee, Pfalz, Mosel): Feigen gedeihen hier am besten in Deutschland. Die milden Winter verursachen selten schwere Frostschäden, aber ein später Kälteeinbruch im März kann neues Wachstum erwischen. Schneide Ende Januar bis Februar, wenn der Baum noch vollständig in der Winterruhe ist. Wenn deine Feige als Fächer an der Wand gezogen wird, ist dies auch die Zeit, Äste anzubinden und alles zu entfernen, was von der Wand weg wächst.
Norddeutsche Tiefebene und Mittelgebirge (Februar bis März): Feigen sind hier bedingt winterhart und können in kalten Wintern Triebspitzenschäden erleiden. Schneide Ende Februar bis März, nachdem die schlimmste Kälte vorüber ist. Beurteile Winterschäden, bevor du schneidest — warte, bis du sehen kannst, welches Holz lebt und welches tot ist. Kübel-Feigen sind in diesen Lagen oft die bessere Wahl.
Höhenlagen und Alpenvorland (nach dem letzten Frost): Feigenanbau am Limit. Viele Feigen in diesen Lagen frieren bis zum Boden oder bis zum geschützten Stamm zurück. Schneide nach dem letzten Frosttermin, sobald du sehen kannst, wo neues Wachstum austreibt. In der Praxis bedeutet das oft April oder sogar Anfang Mai. Du schneidest nicht wirklich für die Form — du räumst Winterschäden auf und lässt den Baum aus dem nachwachsen, was überlebt hat. Kübelkultur mit Winterquartier ist hier die zuverlässigste Methode.
Das biologische Signal ist überall dasselbe: Schneide, solange die Knospen noch ruhen oder gerade zu schwellen beginnen. Sobald sich Blätter entfalten, hast du für größere Strukturarbeiten zu lange gewartet.
Regionales Timing auf einen Blick
| Klima | Wann schneiden | Priorität |
|---|---|---|
| Weinbauregionen (Rheintal, Bodensee, Pfalz) | Ende Januar - Februar | Haupternte. In geschützten Lagen an Südwänden sind in guten Jahren auch Vorfeigen möglich. |
| Norddeutsche Tiefebene, Mittelgebirge | Februar - März | Haupternte. Zuerst Winterschäden beurteilen. Kübel-Feigen bevorzugen. |
| Höhenlagen, Alpenvorland | Nach dem letzten Frost (April-Mai) | Nur Haupternte. Frostschäden aufräumen, Baum nachwachsen lassen. Kübelkultur empfohlen. |
| Mittelmeerraum | Dezember - Februar | Beide Ernten. Klassischer offener Vasenform-Schnitt. |
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Kübel-Feigen schneiden
Kübel-Feigen sind ein anderes Spiel. Die Wurzelbeschränkung verändert das Verhalten des Baumes grundlegend — sie reduziert die Wüchsigkeit, fördert Fruchtbildung statt vegetativem Wachstum und hält den Baum kompakt. Deshalb empfehlen Gartenexperten, Feigen in Deutschland in Kübeln oder ausgekleideten Pflanzgruben zu ziehen. Ohne Wurzelbeschränkung wird eine Feige an einer warmen Wand riesig und produziert hauptsächlich Blätter.
Schneide Kübel-Feigen im Spätwinter, genau wie Freilandfeigen. Aber der Ansatz ist weniger aggressiv. Der Baum ist bereits durch den Topf eingeschränkt, sodass du nicht gegen dieselbe Wüchsigkeit kämpfst. Konzentriere dich auf:
- Entfernen von totem oder beschädigtem Holz
- Herausschneiden von Ästen, die sich kreuzen oder die Mitte verdichten
- Kürzen langer Triebe, um eine kompakte Form zu erhalten
- Entfernen von Ausläufern an der Basis
Alle paar Jahre musst du möglicherweise auch einen Wurzelschnitt durchführen. Topfe den Baum im Spätwinter aus, schneide die äußere Wurzelschicht mit einem scharfen Messer ab und topfe in frisches Substrat um. Das hält den Baum gesund und produktiv, ohne einen größeren Kübel zu benötigen.
Kübel-Feigen sind auch in kalten Lagen leichter zu schützen. Du kannst sie für den Winter in eine unbeheizte Garage oder einen Schuppen stellen, was den Vorfeigen eine bessere Überlebenschance gibt. In Norddeutschland, im Mittelgebirge und in Höhenlagen sind Kübel der zuverlässigste Ansatz für den Feigenanbau.
Der Latexsaft
Feigenbäume bluten weißen Latex aus jedem Schnitt. Dieser Saft ist ein echtes Hautreizmittel — er verursacht Kontaktdermatitis, und die Reaktion ist im Sonnenlicht schlimmer (Phytophotodermatitis). Trage beim Schneiden von Feigen immer Handschuhe und lange Ärmel. Schnitt während der Winterruhe im Spätwinter reduziert den Saftfluss, aber Feigen bluten zu jeder Jahreszeit. Wasche Hautkontakt sofort mit Seife und Wasser ab.

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Schnitt zur Größenkontrolle
Das ist der Grund, warum die meisten Menschen Feigen schneiden. Sich selbst überlassen, wird ein Feigenbaum in günstigem Klima 8-10 Meter hoch und ebenso breit. Selbst in Deutschland kann eine Wandfeige innerhalb weniger Jahre eine ganze Hauswand bedecken. Feigen sind unermüdlich wüchsig.
Der Standardansatz für freistehende Feigen ist eine offene Vasenform — dieselbe Form, die für Pfirsichbäume verwendet wird. Drei bis fünf Hauptleitäste, die von einem kurzen Stamm aufsteigen, mit einer offenen Mitte für Licht und Luft. Jeden Winter kürze die Leitäste und entferne nach innen wachsende Triebe, um die Form zu erhalten.
Bei Wandfeigen ist das Ziel ein Fächer mit horizontal ausgebreiteten und an Drähten angebundenen Ästen. Entferne alles, was direkt von der Wand weg oder gerade nach oben wächst. Kürze Seitentriebe im Sommer auf fünf bis sechs Blätter, um die Fruchtknospbildung zu fördern, und bringe das Gerüst im Spätwinter in Ordnung.

Speziell zur Größenkontrolle: Scheue dich nicht, kräftig zu schneiden. Feigen reagieren auf starken Schnitt mit wüchsigem Neuaustrieb. Du kannst eine Feige jeden Winter auf ein Grundgerüst der Hauptäste zurückschneiden, und sie wird den Raum bis Hochsommer wieder füllen. Das klingt drastisch, ist aber der Standardansatz in kommerziellen Feigenplantagen, wo Bäume auf Pflückhöhe gehalten werden.
Der Schlüssel ist Konsequenz. Wenn du ein Jahr auslässt, kommt der Baum dir davon, und die nächste Schnittsitzung wird zu einer Großaktion. Jährlicher Winterschnitt hält den Baum auf handhabbarer Größe ohne den Schock gelegentlicher Radikalschnitte.
Feigenpflege im kalten Klima
Feigenanbau in Norddeutschland, im Mittelgebirge oder in Höhenlagen erfordert eine andere Denkweise. Der Baum ist keine dauerhafte Struktur, die du über Jahre formst — er ist eine Pflanze, die jeden Winter bis zum Boden zurückfrieren und jeden Frühling aus den Wurzeln neu austreiben kann.
Es gibt verschiedene Strategien:
Einwickeln: Nach dem Laubfall binde die Äste zusammen, wickle den Baum in Jute oder Gartenvlies und fülle das Innere mit Stroh oder trockenem Laub. Das schützt das Holz bis etwa -10°C. Wickle im Frühling nach dem letzten starken Frost aus. Wenn das Holz überlebt hat, behältst du das Vorfeigenpotenzial und hast einen Vorsprung in der Saison.
Bis zum Boden schneiden: Der einfachste Ansatz. Lass die Feige im Winter natürlich zurückfrieren, dann schneide alles tote Holz im Frühling bodennah ab. Der Baum treibt aus den Wurzeln neu aus und fruchtet am neuen Holz bis zum Spätsommer. Du verlierst die Vorfeigen komplett, aber Sorten wie Bayernfeige (Violetta) und Brown Turkey produzieren eine Haupternte am neuen Wachstum in einer einzigen Saison.
Kübelkultur: Stelle die Kübel-Feige für den Winter in eine unbeheizte Garage, einen Keller oder Schuppen. Der Baum geht in die Winterruhe, das Holz ist vor der schlimmsten Kälte geschützt, und du bringst ihn nach dem letzten Frost wieder nach draußen. Das ist die zuverlässigste Methode für kalte Lagen und die einzige Möglichkeit, in Norddeutschland oder im Mittelgebirge Vorfeigen zu bekommen. In Kleingärten ist Kübelkultur besonders beliebt, weil die Feige im Vereinshaus oder Schuppen überwintern kann.
Der Schnitt in kalten Lagen findet im Frühling statt, nicht im Spätwinter. Warte, bis du sehen kannst, was überlebt hat. Neues Wachstum, das aus der Basis oder aus geschütztem Holz austreibt, zeigt dir, wo das lebende Gewebe ist. Schneide alles Tote bis zur nächsten lebenden Knospe oder bis zum Boden zurück. Dann lass den Baum wachsen.
Gängige Feigensorten und ihre Schnittbedürfnisse
Brown Turkey: Die am weitesten verbreitete Feige in Deutschland. Wüchsig, zuverlässig und bedingt winterhart — übersteht in geschützten Lagen Temperaturen bis etwa -12°C. Produziert eine reiche Haupternte am neuen Holz. Schneide im Spätwinter kräftig, um die Größe zu kontrollieren — Brown Turkey wird jeden Raum überwachsen, den du ihr gibst. Die Vorfeigen sind klein und in Deutschland nicht erhaltenswert.
Bayernfeige (Violetta): Eine in Deutschland gezüchtete Sorte, die speziell für das mitteleuropäische Klima selektiert wurde. Kompakter Wuchs und gute Winterhärte machen sie ideal für Kleingärten und kleinere Standorte. Braucht weniger aggressiven Schnitt als Brown Turkey. Produziert süße, violette Feigen am neuen Holz. Schneide leicht für die Form und entferne Totholz.
Dalmatie (Dalmatiner Feige): Eine großfrüchtige Sorte, die in milden Weinbauregionen gut gedeiht. Weniger winterhart als Brown Turkey, aber mit hervorragender Fruchtqualität. Am besten an einer geschützten Südwand oder im Kübel. Schneide moderat im Spätwinter.
Ronde de Bordeaux: Eine kompakte, frühreifende Sorte, die auch in kühleren deutschen Lagen eine Haupternte schafft. Weniger wüchsig als Brown Turkey. Braucht minimalen Schnitt — nur Totholz entfernen und Form erhalten. Gut geeignet für Kübel und kleine Gärten.
Violette de Bordeaux (Negronne): Ebenfalls kompakt und gut für Kübel und kleine Räume. Weniger wüchsig als Brown Turkey. Braucht minimalen Schnitt — nur Totholz entfernen und Form erhalten. Gute Wahl für Gärtner, die nicht mit einem Baum um die Kontrolle über ihre Wand kämpfen wollen.
Brunswick (Hannover): Eine der winterhärtesten Feigensorten, die in Norddeutschland seit Jahrhunderten angebaut wird. Große, grüngelbe Früchte. Wüchsig und braucht regelmäßigen Schnitt zur Größenkontrolle. Reagiert gut auf kräftigen Winterschnitt.
Unabhängig von der Sorte ist das Timing dasselbe: Spätwinter während der Winterruhe, kurz bevor das Wachstum beginnt. Die Schnittintensität variiert mit der Wüchsigkeit der Sorte und deinem Standort, aber das Fenster ändert sich nicht.
Monatskalender für den Schnitt
| Monat | Was zu tun ist |
|---|---|
| Januar | Schnitt in milden Weinbauregionen (Rheintal, Bodensee, Pfalz) möglich. Anderswo den Baum in Ruhe lassen — er ist noch tief in der Winterruhe und Kälteeinbrüche können frische Schnitte beschädigen. |
| Februar | Hauptschnittfenster für die meisten deutschen Lagen. An einem trockenen Tag schneiden, solange die Knospen noch ruhen. |
| März | Letzte Chance für den Schnitt in milden Lagen. In Höhenlagen und Norddeutschland warten — es ist noch zu früh. |
| April | Schnittfenster für kalte Lagen nach dem letzten Frost. Winterschäden beurteilen und Totholz bis zum lebenden Gewebe zurückschneiden. |
| Mai | Kein größerer Schnitt. Triebspitzen an Wandfeigen entspitzen, um Verzweigung zu fördern. Ausläufer entfernen. |
| Juni | Nur leichte Sommerarbeiten. Ausläufer entfernen, Spitzen entspitzen, überfüllte Triebe an Fächern ausdünnen. |
| Juli-August | Kein Strukturschnitt. An Wandfeigen neue Seitentriebe auf fünf bis sechs Blätter kürzen, um Fruchtknospbildung zu fördern. |
| September | Alle Feigen entfernen, die größer als eine Erbse sind und vor dem Winter nicht mehr reifen werden. Diese verschwenden Energie. Die winzigen embryonalen Feigen an den Astspitzen stehen lassen — das sind die Vorfeigen des nächsten Jahres. |
| Oktober-November | Kein Schnitt. In kalten Lagen mit dem Winterschutz beginnen (Einwickeln oder Kübel nach drinnen bringen). |
| Dezember | Kein Schnitt. Der Baum ist in der Winterruhe. Den Schnitt für nächstes Jahr basierend auf dem diesjährigen Wachstum planen. |
Häufige Fehler
Der größte Fehler ist, zu spät im Frühling zu schneiden. Sobald ein Feigenbaum aktiv wächst und Blätter entfaltet, entfernt starker Schnitt Photosynthesekapazität und stresst den Baum. Du setzt auch sich entwickelnde Früchte dem Sonnenbrand aus. Das Fenster ist Spätwinter bis sehr früher Frühling — nicht Mitte Frühling.
Der zweite Fehler ist, nie zu schneiden. Feigen sind so wüchsig, dass ein ungeschnittener Baum schnell unhandhabbar wird. Die Früchte wandern an die Spitze des Kronendachs, wo du nicht herankommst, das Innere wird zu einem dichten Gewirr, und der Baum übernimmt jeden Raum in seiner Nähe. Jährlicher Schnitt ist bei Feigen keine Option, sondern Pflicht.
Der dritte Fehler ist, keine Handschuhe zu tragen. Feigenlatex ist ein echtes Reizmittel. Ich habe Gärtner mit schmerzhaften Ausschlägen an den Unterarmen gesehen, die Feigen im T-Shirt an einem sonnigen Tag geschnitten haben. Die Kombination aus Saft und UV-Licht verursacht eine phototoxische Reaktion, die Blasen bilden kann. Trage jedes Mal Handschuhe und lange Ärmel.
Der vierte Fehler ist, die winzigen embryonalen Feigen im Herbst zu entfernen. Du solltest große unreife Feigen im September entfernen, weil sie nicht mehr reifen und die Energie des Baumes verschwenden. Aber die winzigen erbsengroßen Feigen an den Astspitzen sind die Vorfeigen des nächsten Jahres. Lass sie. Sie überwintern am Holz und schwellen im Frühling an.
Der fünfte Fehler ist, eine Feige in kalter Lage wie eine in milder Lage zu behandeln. Wenn du in Norddeutschland oder im Mittelgebirge versuchst, ein dauerhaftes Gerüst an einer ungeschützten Feige zu erhalten, kämpfst du einen aussichtslosen Kampf. Akzeptiere, dass der Baum zurückfrieren kann, und plane dafür. Baue eine Sorte wie Bayernfeige oder Brown Turkey an, die am neuen Holz fruchtet, und betrachte den jährlichen Neuaustrieb als deine Schnittstrategie — oder setze auf Kübelkultur mit Winterquartier.
Nach dem Schnitt
Trage keine Wundpaste oder Versiegelung auf. Feigen heilen schnell, sobald das Frühlingswachstum beginnt, und der Latexsaft selbst hat gewisse antimikrobielle Eigenschaften. Künstliche Versiegelungen können Feuchtigkeit an der Wunde einschließen und mehr schaden als nützen.
Räume alles Schnittgut auf und entsorge es. Feigenholz, das auf dem Boden liegen bleibt, kann Schädlinge beherbergen, und der Latexsaft macht es unangenehm zu handhaben, wenn er getrocknet ist und du vergessen hast, dass er da liegt.
Wenn du eine Wandfeige geschnitten hast, binde die verbleibenden Äste an, solange du die Struktur klar sehen kannst. Verteile die Hauptrippen des Fächers gleichmäßig und befestige sie an Drähten oder Spalier. Das ist im Spätwinter, wenn der Baum kahl ist, viel einfacher als im Sommer, wenn er mit großen Blättern bedeckt ist.
Gieße gut, sobald das Wachstum beginnt, wenn der Frühling trocken ist. Feigen sind einmal etabliert trockenheitstolerant, aber ein Baum, der gerade stark geschnitten wurde, profitiert von gleichmäßiger Feuchtigkeit, während er neues Wachstum schiebt. Das gilt besonders für Kübel-Feigen, die schneller austrocknen als Freilandbäume.
Dünge im Frühling mit einem ausgewogenen Dünger. Feigen sind keine Starkzehrer, aber eine leichte Gabe Universaldünger unterstützt den Neuaustrieb, der die Haupternte tragen wird. Vermeide stickstoffbetonte Dünger, die Blattwachstum auf Kosten der Fruchtbildung fördern.
Was du aufzeichnen solltest
Feigen reagieren je nach Jahreswetter, Strenge des vorangegangenen Winters und Schnittintensität unterschiedlich auf den Schnitt. Aufzuzeichnen, was du getan hast und wie der Baum reagiert hat, ist der schnellste Weg, den richtigen Ansatz für deinen speziellen Baum und deinen Standort zu finden.
Notiere das Schnittdatum, wie viel du entfernt hast und den Zustand des Baumes — hat das Holz den Winter überlebt? Gab es Frostschäden? Wie viele embryonale Vorfeigen waren an den Astspitzen? Halte dann die Ergebnisse durch die Saison fest. Wann begann das neue Wachstum? Wann reifte die Haupternte? Waren die Vorfeigen etwas wert?
Nach zwei oder drei Jahren Aufzeichnungen weißt du genau, wie deine Feige auf verschiedene Schnittintensitäten reagiert, und kannst entsprechend anpassen.
Ein Obstbaum-Schnittprotokoll gibt dir eine strukturierte Möglichkeit, dies zu dokumentieren. Wenn du Feigen neben anderen Obstbäumen pflegst, die alle unterschiedliche Schnittfenster haben, kannst du mit Leaftides Profilen für mehrjährige Pflanzen jeden Baum einzeln mit seiner eigenen Pflegehistorie erfassen.
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Kältestunden und Feigen-Winterruhe
Feigen haben im Vergleich zu anderen Obstbäumen sehr geringe Kältestundenanforderungen — die meisten Sorten brauchen nur 100-300 Stunden unter 7°C. Deshalb gedeihen Feigen gut in milden Weinbauklimaten, wo Äpfel und Kirschen manchmal Schwierigkeiten haben, genug Kälte zu bekommen. Es bedeutet auch, dass Feigen bei Warmwettereinbrüchen früh aus der Winterruhe erwachen, was problematisch sein kann, wenn ein Spätfrost folgt.
Diese geringe Kälteanforderung beeinflusst auch den Schnittzeitpunkt. Weil Feigen früh aufwachen, musst du früh im Ruhefenster schneiden. Wenn du in einer milden Weinbauregion bis März wartest, schiebt der Baum möglicherweise schon neues Wachstum. Schneide im Januar oder Februar, solange er noch wirklich in der Winterruhe ist.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf Anleitungen von Gartenbauinstitutionen und Beratungsdiensten:
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Feigenanbau
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Feigen im Garten
- RHS: Figs — Grow Your Own
Feigen werden im Spätwinter geschnitten, im selben allgemeinen Fenster wie Apfelbäume und Birnbäume. Für im Sommer geschnittene Obstbäume siehe unsere Leitfäden zu Kirschbäume schneiden und Pflaumenbäume schneiden.